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Am 23.08.2009 beschlossen 50 Fans der Band Radiohead, deren Konzert in Prag mit Handkameras von möglichst vielen Perspektiven aus gleichzeitig zu filmen und anschließend zu einem Live-Video zu schneiden. Diese ungewöhnliche Form der Musikdokumention beeindruckte die Band selbst so sehr, dass sie dem Projekt den Soundtrack in HiFi-Qualität beisteuerte.
Entstanden ist so eine authentische Konzertaufnahme mit Blickwinkeln, wie sie Konzertbesucher an verschiedenen Standorten nun einmal haben, kombiniert mit einem exzellenten Sound. Das komplette Konzert kann völlig kostenlos in verschiedenen Formaten von der Website der Prager Fans heruntergeladen werden, getreu dem selbstgewählten Motto: “Strictly Not For Sale – By The Fans For The Fans – Please Share And Enjoy”.
Das Radiohead von diesem Fan-Projekt so begeistert waren und es tatkräftig unterstützen, entspricht ganz und gar dem Habitus der Band. Ganz sicher sind Radiohead eine der innovativsten Bands der letzten zwanzig Jahre. Mit “OK Computer” von 1997 haben sie eine zeitgemäße und eine der einflussreichsten und wichtigsten Platten der 90er Jahre geschaffen.
Leicht zu konsumieren ist die Musik der Band eher nicht. Von den gitarrenbetonten Stücken ihrer Anfangstage haben sie sich immer weiter in einen ganz eigenen Musik-Kosmos vorgearbeitet, mit Elementen aus Ambient, Avantgarde, Krautrock und Jazz. Trotz dieser nach “Underground” klingenden Melange ist die Musik von Radiohead recht eingängig und hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Schon früh hat die Band selbst mit alternativen Vertriebs- und Marketingwegen experimentiert. 2007 stellte sie das Album “In Rainbows” auf ihrer eigenen Website ins Netz und überließ es den Fans, für die Aufnahmen zu bezahlen oder nicht. Zwei Drittel der User haben damals für den Download bezahlt und damit bewiesen, dass Bands durchaus auch ohne den Background der Musikindustrie Platten verkaufen können. “In Rainbows” wurde übrigens kurze Zeit später – trotz der kostenlosen Downloadmöglichkeit – als CD ein großer Verkaufserfolg und die Nr. 1 der englischen und amerikanischen Charts.
Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte sich die besagte Prager Website einmal anschauen, kann das komplette Konzert aber auch auf Youtube (mit-)erleben – Radiohead Live in Konzert in Prag am 23.08.2009.
Wilfried
Der französische Regisseur Olivier Assayas versucht in seinem aktuellen Film “Die wilde Zeit” einige Lebensstationen politisch aktiver Jugendlicher in den 1970er Jahren zu zeigen. Auf einen in den 70ern aufgewachsenen Zeitgenossen wirken seine Probleme, geeignete (Jung-)Schauspieler für den Film zu finden, zunächst recht beklemmend: “Die haben kein Wort verstanden und mussten die Dialoge wie eine Fremdsprache lernen. Es war sehr schwer junge Darsteller zu finden, die in die Stimmung dieser Zeit passten. Beim Casting haben viele kluge und interessante Jugendliche vorgesprochen, die jedoch zu sehr in den Werten und Vorstellungswelten der Gegenwart gefangen waren. Nur eine kleine Minderheit war in der Lage sich intuitiv in diese Zeit hineinzuversetzen …” (“Pop-Kultur wurde als bürgerlich abgetan”, ZEIT Online, 30.05.2013).
In die gleiche Kerbe haut die Journalistin Sibylle Berg auf Spiegel Online in ihrem Beitrag “Wo, verdammt noch mal, sind die Verrückten?”: “Menschen, die jünger sind als 40? Die sehen doch alle gleich aus, denkt der Mensch über 40: Sie sind sauber, gesund, gutriechend, enthaart, leistungsfähig und unauffällig. Wie öde, wie ekelhaft. Wo sind all die Freaks geblieben? Wo sind die Gruftis, Skins und Punks?”
In der Tat scheint die Kluft zwischen damals (“lieber lebendig als normal”) und heute (“wann kommt das nächste iPhone auf den Markt?”) beträchtlich, wenn nicht unüberbrückbar zu sein. Allerdings ist es wichtig, auch seine eigenen Vorstellungen und Ideale hin und wieder einmal kritisch zu überprüfen. Die Musik- und Jugendkulturen funktionieren heute einfach anders, und im riesigen Angebot an Sounds und Styles geht manches unter, was man eigentlich enthusiastisch begrüßen würde.
Dies gilt auch und gerade für das aktuelle Musikgeschehen. Auf eine Band wie “Okta Logue” muss man einfach hinweisen, es wäre ein Verlust, sie nicht zu kennen und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Der Sound dieser gerade international durchstartenden Jungens-Band aus dem südhessischen Griesheim bei Darmstadt erinnert viele an das Pink-Floyd-Universum der 70er, aber auch manche Indie-Sounds sind in die Songs der Band eingewoben. Solchen Klassifizierungen widersprechen die Bandmitglieder jedoch vehement: “Dass der gerne (ihr Sound, W.) – vor allem von älteren Zuhörern – mit Pink Floyd assoziiert wird und alle Welt von Okta Logue als Progressive- oder Psychedelic Rocker spricht und damit auch ein Begriff wie Retro einhergeht, gefällt den Musikern aber nicht. ‘Diese Begriffe sind so abgekaut’, moniert Herz. Ihr Klangkosmos ist gewachsen und Ausdruck musikverliebter Menschen, die als lebensfrohe Melancholiker Hoffnung verbreiten wollen” (zitiert nach OP Online).
“Das ist nicht meine Musik” oder “Rock-Musik ist langweilig” finden viele Jugendliche, andere wiederum schwören auf die zeitlose Kraft und Energie dieser Musik, die sie genau so gepackt hat wie einst ihre Eltern. “Wir lassen uns generell von schöner Musik beeinflussen, dem Rauschen des Meeres und dem Geräusch von Flugzeugen, wenn sie das Rollfeld verlassen. Uns beeinflussen die Momente, in denen man weder schläft noch wach ist … Der Ausdruck unserer emotionalen Bedürfnisse in Kombination mit einem bestimmten Geist der Vergangenheit: Daraus kreieren wir ein neues musikalisches Konzept” (zitiert nach Laut.de).
“Okta Logue” haben ihren eigenen Youtube-Channel, aus dem wir abschließend gleich drei Songs aus ihren beiden empfehlenswerten Alben “Ballads Of A Burden” (2012) und “Tales Of Transit City” (2013) hören. “Lässig und clever” nennt sogar ein Massenblatt wie die “TV-Spielfilm” diese Musik und diese Band, ein Youtube-User kommentiert: “makes me hazy”. Musik mit Suchtgefahr für offene Ohren und Herzen – laut wie leise gut anzuhören: “Transit”, “Bright Lights” und “Let Go”.
Wilfried
Der Rockpalast ist mittlerweile eine feste Institution im deutschen Fernsehen, wenn es um die Präsentation von Live-Musik geht. Legendär und unvergessen sind zudem die Rocknächte in den 1970er und 1980er Jahren, die als ein “Befreiungsschlag der Rockfans” gedacht waren und auch so rüberkamen und wirkten. Durch die Reduktion auf Regional- und Nischenkanäle hat die nationale und internationale Beachtung ein wenig gelitten, dennoch ist das Rockpalast-Team nach wie vor äußerst aktiv und präsentiert Woche für Woche wichtige Festivals und Einzelkonzerte, ergänzt durch Dokus und Musiker-Portraits.
Auch im Internet ist ein großes Archiv entstanden, in dem Live-Konzerte von Newcomern und bekannten Bands quer durch alle Stilrichtungen zu sehen sind – und für den gut abgehangenen Rockfan sind natürlich die Beiträge aus dem Rockpalast-Archiv von besonderem Interesse.
Was die Konzert-Aufnahmen bieten, formuliert das Rockpalast-Team selbst in unnachahmlicher Form: “Dank langjähriger Erfahrung und neuester Aufnahmetechnik ist das Rockpalast-Team in der Lage, die Atmosphäre eines Konzertes aus der ersten Reihe direkt ins Wohnzimmer zu übertragen: roh, elektrisierend und so intensiv, dass eigentlich nur die Schweißtropfen des Nebenmanns fehlen”.
Anhand der stets wachsenden Übersicht über die angebotenen Videos kann man sich schnell von der Qualität der Bands wie der Konzerte überzeugen. Wohl fast für jede(n) dürfte etwas dabei sein – viel Zeit muss natürlich mitgebracht werden. Leider sind die Videos nicht zum Teilen vorgesehen, aber (noch) haben wir ja Youtube, das uns mit einigen Appetizern zu den im Rockpalast präsentierten Bands versorgen kann:
1. Green On Red aus dem amerikanischen “Paisley Underground” der 1980er Jahre Live mit “Sea Of Cortez”,
2. The Steve Miller Band mit dem Karrierekiller “Macho City” Live vom Rockpalast-Festival auf der Loreley 1983, sowie
3. Mogwai mit dem kompletten Auftritt auf dem Berlin Festival 2011.
Enjoy …
Wilfried
“Auf Dauer sind zwei Plattenspieler und ein Mischpult aufregender als fünf Gitarrensaiten” ist ein Neil Tennant von den Pet Shop Boys zugeschriebener Satz, der das Selbstverständnis eines DJs und den Kern seiner Arbeit sicherlich ganz gut beschreibt. Schließlich hat sich die Rolle des DJs seit den ersten Auftritten als “Schallplattenunterhalter” Ende der 1950er Jahre immens gewandelt – der DJ ist heute ein eigenständiger Künstler geworden, der auch in wirtschaftlicher Hinsicht eng mit dem Erfolg oder Misserfolg einer Diskothek verbunden ist.
“Aber nicht nur musikalische Trends popularisiert der Deejay, er spielt auch im betriebswirtschaftlichen Sinne für die Erlebnisgastronomie eine entscheidende Rolle, denn durch seine Tätigkeit beeinflusst er diskothekenspezifische Parameter wie Gästezahlen und Pro-Kopf-Umsatz. Psychologisch agiert er in Bezug auf Trackauswahl und Musikdramaturgie, bestimmt das Handeln des Gastes und beeinflusst so seine Gewohnheiten. Der Mix als zentrales Element verdeutlicht dabei die Fähigkeit des Discjockeys im Umgang mit der tanzenden Gemeinde und bekräftigt in diesem Zusammenhang die Aussagen von Faithless und P!nk: God Is A DJ” (ein Auszug aus dem Vorwort der 1. Auflage 2005 von “Gut aufgelegt! Das Lehrbuch für den DJ”, das im Verlag Stadtstreicher GmbH erschienen ist).
Die DJs, die auf den jeweiligen DJ-Nights vor dem Schloss Jever ihre Platten auflegten, taten dies wohl weniger vor einem wie auch immer gearteten technischen und wirtschaftlichen Hintergrund, sondern auf der Grundlage ihrer reichhaltigen Erfahrungen, die sie in den progressiven Diskotheken der 1960er bis 1980er Jahre erworben hatten. Schön, dass einige mutig genug waren, auch mal gegen den “Mainstream des Undergrounds” Platten aufzulegen. “Mrs. Robinson” von Simon & Garfunkel oder City’s “Am Fenster” zeigten deutlich, dass diese Musik auch heute noch Aufreger-Qualitäten haben kann. Wunderbar!
In diesem Sinne folgen nun 5 weitere Videos von der DJ-Night 2012, dem geneigten Publikum erneut zu Kurzweil und Amüsement dargeboten von Frank Peters …
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Wilfried
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Musikalische Listen für den Hausgebrauch - eine zufällige Wahl aus der aktuellen Liste ...
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