Der virtuelle Club

Die Geschichte der Diskotheken und Musikclubs ist noch nicht beendet. Neben der „Silent Disco„, in der die Musik über Kopfhörer eingespielt wird, macht vor allem der „virtuelle Club“ von sich reden. Hier hat der DJ sein Betätigungsfeld ins Internet verlegt und legt Platten auf, obwohl gar keine Menschen anwesend sind. Musikclubs dieser Art existieren weitgehend als Streaming-Angebote und geben ihr Angebot und ihre „Öffnungszeiten“ per „Twitter“ weiter.

Eines der bekanntesten Beispiele ist der „Club Dommune“ in Tokyo, der auch real in einem kleinen Keller existiert, auf dessen Tanzfläche aber nicht mehr als 50 Personen Platz finden. Die meisten Hörer hat der Club im Internet. In Tokyo hat das durchaus ganz pragmatische Ursachen, denn die Entfernungen sind in der Riesenstadt gigantisch und gemeinsam in einer Gruppe an Live-Events im Internet teilzunehmen ist in Japan durchaus populär.

Auf dem Streaming-Portal „UStream“ läuft von montags bis donnerstags zunächst eine zweistündige Talkshow zur Popkultur und anschließend legen bis Mitternacht DJs ihre Musik auf. Diese „Shows“ finden wirklich „live“ statt und werden nicht aufgezeichnet.

Das Ganze klingt möglicherweise exotischer als es ist. In der Internet-Radio-Station „Radio Paradise“ bestimmen schon seit Jahren DJs das Programm und decken praktisch alle Wünsche ab. Einige DJs bei „Radio Paradise“ spielen extrem tanzbare Musik, und niemand ist gezwungen, vor seinen PC-Lautsprechern allein oder mit anderen sitzen zu bleiben … Auch die andere – leider etwas in Vergessenheit geratene – Diskothekenvariante, nämlich in der Disko Musik zu hören und Neues (durchaus auch in Form von längeren Songs) kennenzulernen, ist im virtuellen Club möglich.

Die meisten aktuellen Musikclubs – gleich ob real oder virtuell – werden nicht (mehr) von der klassischen Rockmusik bestimmt, sondern entweder von der „Independent“- oder der „Downbeat“-Szene. Partiell aufregender – weil wirklich „neu“ – ist für mich die „Downbeat“-Disko. Vielfach werden diese Sounds als moderne „Kiffermusik“ bezeichnet, was den Kern dieser phantasievollen Musik aber nicht mal ansatzweise trifft.

Nach der Wikipedia-Definition ist „Downbeat“ oder „Downtempo“ „eine Sammelbezeichnung für elektronische Musik, die sich durch langsame Tempi und als atmosphärisch wahrgenommene Synthesizer-Klangflächen auszeichnet. Zusammengefasst werden darunter Genres wie Trip Hop, Dub und verwandte, durch Latino-Rhythmen (bspw. Bossa Nova) und Jazz-Elemente geprägte Formen der Electronica-Musik.“ Nicht vergessen werden sollte darüber hinaus der zuweilen starke psychedelische und tranceartige Einschlag in dieser Musik.

Zu den „Stars“ in der „Downbeat“-Szene gehört das deutsche Duo „Boozoo Bajou“, das mit dem Stück „Night over Manaus“ bereits einen der ewigen Klassiker dieser Musikrichtung geschaffen hat. Zusammen mit anderen Menschen mit „open minds“ hören wir jetzt zum Ein- und Angewöhnen eben „Night over Manaus“ sowie „Down & Out“ von der legendären 2001er LP „Satta“ …

Wilfried

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