Girls With Guitars VI

Als das „MINT„-Magazin ↑ in der Ausgabe 4/17 ein großes Special über „Frauen und Vinyl. Ausnahmeerscheinungen in einer männerdominierten Welt“ veröffentlichte, konnte sich Leserbriefschreiber O. B. vor „ungläubigem Erstaunen“ kaum noch einkriegen. Wie konnte man nur ein so dermaßen abseitiges und abwegiges Thema wählen, er hoffe auf „Interessanteres“.

Das Thema „Frauen in der Rockmusik“ stößt nach wie vor oft auf eine Phalanx aus Desinteresse und Ablehnung, interessanterweise von beiden Geschlechtern (vgl. in diesem Zusammenhang auch Susan Fast: „Girls: Rock Your Boys!“ The Continuing Non-History of Women in Rock Music, in: Annette Kreutziger-Herr (Hg.), Katrin Losleben (Hg.): History / Herstory. Alternative Musikgeschichten, Böhlau Verlag, Köln). Auf der anderen Seite werden die Stimmen lauter und die Bestrebungen konkreter, gegen diese fehlende Aufmerksamkeit anzugehen und der „männerdominierten Welt“ Augen und Ohren zu öffnen.

Zu diesen Versuchen zählt die internationale Initiative „Keychange“ ↑, die durch ihre Präsenz auf dem „Reeperbahnfestival“ gerade etwas bekannter geworden ist und aus den Veranstaltern von 7 Musikfestivals besteht, die sich verpflichtet haben, in Zukunft bei der Musik- bzw. Künstler-Auswahl verstärkt weibliche Künstler zu berücksichtigen. (Noch?) nicht Mitglied in dieser Initiative ist das so genannte „W-Festival“ ↑ (ehemals „Women of the World“) in Frankfurt, das bereits einen ganzen Schritt weiter ist und seit 2012 nur weibliche Künstler einläd und präsentiert, um auf die „Schönheit der weiblichen Musik“ hinzuweisen. Und nicht zuletzt haben die „Girls With Guitar“ mit dem „Guitar Girl Magazine“ ↑ und „Grrrls With Guitar“ ↑ mittlerweile gleich zwei Magazine, die über Frauen mit Rockgitarren berichten.

Auch wenn bisher noch kein weibliches „Sgt. Pepper“-Album gesichtet wurde, dürfen sich Musikfreund und Musikfreundin doch auf (mehr) tolle Musik und tolle Musiker*innen freuen – wenn denn die Initiativen und Zeitschriften Erfolg haben sollten. Gute Beispiele bzw. Berichtenswertes gibt es in Hülle und Fülle:

Weltweit für Erstaunen sorgen z.B. seit Jahren „The Warning“ ↑, 3 Schwestern aus dem mexikanischen Monterrey – Daniela (16), Paulina (14) and Alejandra (12) – deren Energie, Talent und Begeisterung für die Rockmusik sprichwörtlich ist. „The Warning“ haben mittlerweile eine (erste) Platte veröffentlicht, der vermutlich noch viele weitere folgen werden. „Survive“ rockt mächtig.

Traditionell ist Japan ein Land, in dem Männer noch mehr dominieren als anderswo. Umso erstaunlicher ist es, dass gleich eine ganze Reihe von weiblichen Rockbands besonders lautstark ihre Existenz verkünden. Exotisch, aber mit bestem klassischen Heavy-Rock: „Band-Maid“ mit „Thrill“.

Die polnische Bassistin „Kinga Głyk“ ist eine Frau aus einer neuen Generation, die sich von Geschlechterklischees nicht mehr beirren lässt. Ihre Version von Eric Claptons‘ „Tears In Heaven“ wurde bei Youtube bereits millionenfach angeklickt. Wer sich ihre Spielkunst ansieht und anhört, versteht auch warum.

Die leider derzeit wohl nicht aktiven „Electrelane“ aus dem englischen Brighton zeigen sich laut Wikipedia beeinflusst von Krautrock, Postrock, Jazz und ein wenig Klezmer. Und richtig ist diese Band mit ihrem komplexen und melancholischen Dreampop so einfach nicht zu erfassen und erfordert ein auch mehrmaliges (Zu)Hören, um die Klasse ihrer Musik zu erfassen. „Suitcase“ ist eines ihrer längsten und „lautesten“ Stücke.

Wilfried

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