Deep Purple in Oldenburg

Wenn man die Musikmagazine und Eventkalender dieses Jahres durchblättert, so fällt die überaus große Zahl tourender Bands auf, deren Wurzeln zum Teil noch in den 60ern, mindestens aber in den 70ern und 80ern liegen. Ganz verwunderlich ist das nicht, denn bereits vor zehn Jahren überholten die Gesamterlöse aus Konzerten die Umsätze mit CDs und anderen Tonträgern. Das übt natürlich auf die Musiker einen nicht unbeträchtlichen Reiz aus.

Und heute laden sich viele Musikhörer ihre Songs gleich aus dem Internet herunter und kaufen kaum noch CDs oder Platten (von Nischenprodukten einmal abgesehen) – während sich das Konzerterlebnis etwas Ultimatives, Einzigartiges und Unkopierbares bewahrt hat, das die digitale Musik der Gegenwart nicht (oder kaum noch) bieten kann. Das mag ein wenig die Motivation der Besucher erklären, die durchaus in Scharen in die Konzerthallen drängen.

Nicht zuletzt liegt der Erfolg der Altrocker-Tourneen aber auch einfach darin begründet, dass die Musiker – wenn sie denn die Rock’n’Roll-Hölle überlebt haben – heute so gut geworden sind und so abgeklärt auf der Bühne rocken, dass es eine wahre Freude ist.

Eine kleine Auswahl gefällig? Alice Cooper, Status Quo, Santana, Steve Miller Band, Peter Frampton, Uriah Heep, Manfred Mann’s Earthband, Roger Chapman, Spencer Davis Group, Thin Lizzy, Grobschnitt, Steve Winwood, Doobie Brothers, Gotthard, Roger Waters, Supertramp und und und (und das ist nur eine kleine subjektive Auswahl von Bands, die ich mir bei passender Gelegenheit ansehen würde).

Ein ähnliches Highlight zum Abschluss der Konzertsaison erwartet die Oldenburger mit dem Auftritt von Deep Purple am 26.11.2010 in der Weser-Ems-Halle. Das wäre dann bereits der dritte Auftritt dieser Band dort. Der Auftritt von 1987 ist legendär, weil die Spannungen innerhalb der Band bereits offensichtlich waren und der stets übelgelaunte Ritchie Blackmore deutlich machte, was er von dem ganzen Konzert hielt – nämlich nicht viel.

Ein wahrer Mythos dagegen ist der Auftritt von Deep Purple am 7.4.1971. Große Rockkonzerte hatte es in Oldenburg zu dieser Zeit noch nicht gegeben, und so traf ein ausgehungertes und dankbares Publikum auf eine Band, die mit “Deep Purple in Rock” gerade einen Klassiker der Rockmusik veröffentlicht hatte und zu einem Höhenflug sondergleichen ansetzte.

Was kaum jemand weiß: Von diesem Auftritt existiert seit vielen Jahren ein Bootleg (also eine LP mit einem illegal aufgenommenen Konzertmitschnitt), der die ganze Spielfreunde der Band zu dieser Zeit hörbar macht und seine Hörer z.B. mit einer 17-Minuten-Version von “Child In Time” oder einer 22-minütigen-Version von “Mandrake Root” verwöhnt.

Das nun folgende Youtube-Video präsentiert also ein Stück aus der wahrscheinlich einzigen Live-Aufnahme, die jemals in Oldenburg im Rahmen eines großen Rockkonzerts entstanden ist. Matschig im Sound, wie es auf den alten Bootlegs nun mal üblich ist, aber voller Energie und Emphase: Deep Purple Live in Oldenburg am 7.4.1971 mit “Strange Kind Of Woman”.

Wilfried

4 Gedanken zu “Deep Purple in Oldenburg

  1. Danke fuer die Erinnerung an Frumpy und Savage Rose bei dem 71er Deep Purple Konzert, das in guter Erinnerung habe – nicht zuletzt auch wegen der Biere, die ich mit Ian Paice am Tisch unten im Montparnasse runterzog. Ein netter Typ uebrigens, ohne irgendwelche Starallueren eines Rockmusikers. Leider ist das alles, was aus der Erinnerungskiste ziehen kann. Ach ja, und dann kamen ja spaeter auch Colosseum mit Chris Farlowe (tolles Konzert) und irgendwann Spooky Tooth, die mich endgueltig vom Joint abgebracht haben… Dazwischen gab es ja nocht die drei tollen tage in der Hamburger Ernst-Merck-Halle mit the Nice und den noch unbekannten Black Sabbath. Gute Zeit, selbst in Oldenburg! 🙂

  2. Wie Renate klein hier erwähnt das der Zug gar nicht am Sonntag nach WHV fuhr finde ich jetzt aber niedlich.
    Das Konzert war ja am MITTWOCH dem 7. April 1971 ( der 97 Tag in der 14 Woche des Jahres.
    Da ich an dem Abend auch Frumpy aufgenommen habe,stelle ich beim wiederhören gerade fest das der Gitarrist Rainer Baumann auch schon dabei war und nicht wie bisher angenommen erst genau 3 wochen später am Mittwoch den 28.4.1971 in Aurich bei Dieling.

  3. Zum Glück war meine Mutter zur Kur, so dass ich als 16-jährige mit meiner Freundin nach Oldenburg nur wegen Deep Purple (Ian Gillan – ein Traum mit seinem langen Haar)zum Konzert fahren konnte. Ungeduldig ertrugen wir die erste Band, dann Frauenpower mit Frumpy und Savage Rose und dann, dann kam endlich Deep Purple und als sie gerade angefangen hatten zu spielen, da war es 23.00 Uhr und wir mussten weg zum Bahnhof!
    Und als wir beim Bahnhof ankamen, da fuhr der Zug gar nicht am Sonntag nach WHV. Da sind wir total verzweifelt wieder zum Konzert gelaufen und haben gerade noch die Zugabe gehört.
    Zum Glück hat uns aber jemand in seinem Auto mitgenommen, so dass wir Wilhelmshaven erhalten blieben.

  4. Zuerst ist mal festzustellen das es jetzt wohl zm 4 Autritt kommt in der Weser Ems Halle. Zuletzt waren sie am 6 Okt. 1993 mit Blackmore in Oldenburg. Von dem Auftritt im April 1971 habe ich noch 2-3 Original tickets. Damals Preis Vorverkauf 9 Dm- Abendkasse 11 Mark. Ich habe das konzert damals selbst mitgeschnitten auf nen philips cassettenrecorder auf ner damals neuer promo cassette mit 120 min. laufzeit. Das waren Versuchscassetten die ich von einem Vertreter bekam. normal gabs nur c 60 und c 90 er. Ich höre es mir noch ab und zu an auf nem tapedeck oder im Auto. Habe auch ein jahr später im juni 72 ELP( Emerson ,Lake und Palmer )dort aufgenommen. Das dort auch ne Lp aufgenommen wurde habe ich erst selbst vor ca. 2 jahren mal bei Ebay gesehen. Savage Rose war einer der vorbands anno 71. Und Frumpy glaube ich noch, muss noch mal gucken auf dem ticket. ende März waren colloseum dort in dem jahr mit Farlowe und Gentle Giant. dann wohl auch uriah heep, da steht auf dem Ticket aber kein jahr deshalb könnte es auch eventuel 72 gewesen sein. Kann man rauskriegen, Ab 71 war soviel an tollen Konzerten dort wie es wohl nie wieder später vorkam. ich konnte garnicht die kohle so schnell ranschaffen.
    Aber es war selbst für mich bezahlbar, weil im schnitt 10 bis 15 mark. Das Hinkommen ohne Auto war schlimmer.. Goldige zeiten – die besten für mich in oldenburg. !988 war ich bei Depeche Mode zum ersten mal in der neuen Messe halle ,91 Scorpions, und gefühlt letztes mega-event Metallica…

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