Ein moderner Rock-Klassiker: Flying Circus mit “1968”

© Fotos: Flying Circus

Die deutsche HardProgRock-Band Flying Circus hat seit ihrer Gründung insgesamt sieben Alben veröffentlicht, die allesamt in Fachmagazinen wie Eclipsed, Rock Hard, Rocks, Good Times, Classic Rock oder Metal Hammer hoch gelobt wurden. Ihre letzte Veröffentlichung “Starlight Clearing” – ein Konzeptwerk über eine fiktive Band aus den späten 60er Jahren, die sich tragischerweise am Vorabend des Ruhmes auflöst, errang gar 4,5 von 5 möglichen Punkten im amerikanischen Musikmagazin “Progression”. Progression ↑ ist DAS Branchenblatt für Progressive Rock in den USA, es stuft “Starlight Clearing” als eines der besten Alben des ersten Quartals des Jahres 2017 ein, gleichauf mit dem Steven-Wilson-Projekt Blackfield und vor etwa Klaus Schulze oder Van der Graaf Generator.

“Catchy melodies and highly polished instrumental performances” (John Collinge, Progression) finden sich auch auf dem in Kürze erscheinenden neuen Album “1968”, das zahlreiche Geschehnisse dieses Jahres musikalisch aufbereitet.

Nach den Verheißungen des “Summer Of Love” 1967 wurde das Jahr 1968 zum Ausgangspunkt der so genannten 68er-Bewegung – zu einem Jahr der Hoffnungen, aber auch zu einem Jahr voller Gewalt und kriegerischer Fehden. Die tödlichen Attentate auf Martin Luther King und Robert F. Kennedy, der heftig umstrittene Vietnamkrieg, der Beginn des blutigen Bürgerkriegs in Nordirland, das Massaker amerikanischer Soldaten an 503 Zivilisten in My Lai, der Prager Frühling, gewaltsame Auseinandersetzungen deutscher, französischer und amerikanischer Studenten mit der reaktionär reagierenden Polizei oder der Widerstand gegen die von der damaligen deutschen GroKo eingeführten Notstandsgesetze sind nur einige “Höhepunkte” eines Jahres, das Lichtjahre entfernt schien vom ersehnten “Love & Peace” der Hippies.

Parallelen zu unserer Gegenwart drängen sich vielfach auf – Anlass genug für Michael Dorp (Gesang), Rüdiger Blömer (Keyboards, Geige), Michael Rick (Gitarre), Ande Roderigo (Schlagzeug) und Roger Weitz (Bass), sich eingehend mit diesem Jahr zu beschäftigen. “1968” ist eine komplexe Platte von tiefer Ernsthaftigkeit geworden, die trotz des ernsten Themas dem Hörer großen Spaß beschert und bei jedem Durchhören neue Details und Feinheiten offenbart.

Durch eine glückliche Fügung konnte die Band ihre Aufnahmesessions in den weltbekannten Dierks-Studios ↑ in Stommeln/Pullheim bei Köln vornehmen, wo schon Weltstars wie Michael Jackson, die Scorpions, Ike & Tina Turner, Rory Gallagher oder Eric Burdon Songs eingespielt haben. Und die Atmosphäre des Hauses und die technischen bzw. klanglichen Möglichkeiten des legendären “Studio 3” hört man “1968” auch an. Der ohnehin schon magische, klare, zwingende, beeindruckende Sound der Band hat hier noch einmal eine weitere Entwicklungsstufe erreicht.

Die Vorbilder der Band sind zwar durchaus “irgendwie” präsent (Gentle Giant, Rush, Led Zeppelin, Yes, King Crimson, The Beatles, The Who und viele andere mehr), aber Flying Circus haben im Laufe ihres mittlerweile fast 30-jährigen Bestehens etwas ganz Eigenes aus den “Vorlagen” ihrer Idole entwickelt, das sie zu einer Ausnahmeerscheinung im deutschen und internationalen Musikgeschehen macht. Wäre “1968” in den 1970er Jahren veröffentlicht worden, hätte es sich binnen kurzem zum Rock-Klassiker entwickelt. Das ist auch heute noch möglich, wenn die verbliebenen Rockfans mitmachen, die CD erwerben und ihre Begeisterung an ihren Umkreis weitergeben. “1968” von Flying Circus ist ein moderner Rock-Klassiker, der in Kürze auf der Website der Band und in gut sortierten Plattenläden zu erwerben sein wird.

At the end of it you just might wonder how this circus managed to fly under your own radar all those years” (John Collinge, Progression).

Flying Circus '1968'
Flying Circus “1968”

Übrigens: Wer in Michael Dorp, Michael Rick und Roger Weitz Mitglieder der Band Thin Crow ↑ mit ihrer “Incredible Classic Rock Show” identifiziert, liegt richtig … 🙂

Wilfried

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