Frischzellenkur für Altrocker

Eine bestimmte Ecke des deutschen Undergrounds ist vitaler denn je. Was man gemeinhin (und nicht immer nett gemeint) Retro-Rock, Stoner-Rock oder Psychedelic-Rock nennt, hat sich zu einer “Frischzellenkur für Altrocker” entwickelt, wie es in der Zeitschrift Classic Rock Magazine in einer Rezension der LP “Abra Kadavar” von “Kadavar” heißt.

Insbesondere zwei Bands – die eben erwähnten “Kadavar” aus Berlin und in gleicher Weise “Wolvespirit” aus Würzburg – versetzen aktuell nicht nur die geneigten Rockjournalisten, sondern auch manchen grauhaarigen Fan der Rockmusik der 1960er und 70er Jahre in aufgeregtes Erstaunen. Diese beiden jungen Bands kopieren nicht, sondern erwecken Geister wieder zum Leben, die man längst gestorben wähnte. Der Spirit der Musik dieser Jahre wird in einer so erstaunlichen und bis ins Detail passgenauen Weise fortgesetzt, dass manche von “Magie” oder “Zeitreisenden” sprechen. Alle Mitglieder dieser Bands beherrschen ihre Instrumente auf unglaublich perfekte Weise, alle leben in kreativen Künstler-WGs und sehen aus, als wären sie aus einem Frühziebziger Plattencover ausgestiegen.

Das Trio “Kadavar” wird (wegen dezenter psychedelisch/okkulter Untertöne) gerne mit Black Sabbath und Pentagram in einem Atemzug genannt, die Band ist jedoch nichts weniger als eine Reinkarnation von Dust, einem amerikanischen Heavy-Rock-Trio, das mit den LPs “Dust” (1971) und “Hard Attack” (1972) legendäre Wegweiser-Platten dieses Genres vorgelegt hatte.

Bei “Wolvespirit” ist die Zuordnung zu einer bestimmten Band nicht so einfach, dennoch atmet ihre Musik ebenfalls den Geist der frühen Jahre, das man es kaum glauben kann. Die Band muss man im Grunde ein Gesamtkunstwerk nennen, so stimmig sind Musik, Accessoires, Artwork und Kleidung miteinander verwoben. Alles ist “selbstverständlich” selbst entworfen und selbst gemacht.

Es ist etwas dran an dem Satz “Frischzellenkur für Altrocker”, wie die nun folgenden Youtube-Videos eindrucksvoll belegen. Absolute Kauf-Tipps, und bitte schön laut hören!

Wilfried

Schreibe einen Kommentar