RIP Chuck Berry

Die Veröffentlichung seiner ersten LP seit 38 Jahren, die er sich selbst zu seinem 90. Geburtstag im vergangenen Jahr schenkte und seiner Frau Themetta widmete, kann er nun nicht mehr selbst erleben. Der Tod Chuck Berrys wird in der ganzen Welt mit großer Trauer und Traurigkeit aufgenommen, seine Fans werden nun das in den nächsten Monaten bei Dualtone Records mit dem schlichten Titel „Chuck“ erscheinende Alterwerk noch mehr herbeisehnen.

Wenn man sich die Rockmusik als einen Baum mit vielen Wurzeln vorstellen mag, so gehört Chuck Berry mit seinen Evergreens wie Johnny B. Goode, Roll over Beethoven, Sweet Little Sixteen oder Maybellene ohne Zweifel zu den stärksten. Das er an seinen Songs, die er immer als Einheit von Text und Musik verstand, so lange herumfeilte, bis sie zu diesen perfekten und zeitlosen Songs wurden, die praktisch jede(r) kennt, zeichnete ihn immer aus. Seicht waren seine Texte – im Gegensatz zu zahlreichen anderen Klassikern der Pop- und Rockmusik – nie, seine kleinen Alltagsdramen waren stets von großer Lebensnähe gekennzeichnet, selbst Bob Dylan soll ihn einmal als „Shakespeare der Rockmusik“ bezeichnet haben.

Chuck Berry machte die elektrische Gitarre zu einem in der Rockmusik für Jahrzehnte dominierenden Instrument, seine Posen und natürlich der legendäre „Duckwalk“ wurden später von Abertausenden von jungen Gitarristen kopiert.

Es gehört zu den Lach- und Sachgeschichten der Rockmusik, dass ausgerechnet die LP The London Chuck Berry Sessions von 1972 zu seinem meistverkauften Album wurde, zu deren Erfolg seine einzige No.1-Single My Ding-A-Ling nicht unerheblich beitrug – ein (skandalträchtiger) Song mit für damalige Verhältnisse recht schlüpfrigem Inhalt, den er live gerne über Gebühr ausdehnte und mit dem er die Lacher auf seiner Seite hatte, der aber an seine (anderen) Meisterwerke nicht wirklich heranreicht.

Das Herumstöbern bei Youtube lohnt immer, auch live war Chuck Berry stets ein Ereignis …

Wilfried

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