Das nahe Ende der Großraumdiscos – vom Schwanengesang zum Hoffnungsschimmer

“Bye-bye Schaumparty: Großraum-Discos am Ende?” ↑ fragte im September die Journalistin Maryam Bonakdar in ihrem Beitrag “Großraumdiscos: Von Goldgruben zu Geldgräbern” im Kulturjournal des NDR. “In den letzten zehn Jahren mussten laut Statistischem Bundesamt über 400 Diskotheken in ganz Deutschland schließen. Viele weitere kämpfen ums Überleben. Vom Diskothekenverband heißt es, die Branche befinde sich im Wandel. Doch viele Diskotheken-Betreiber haben Existenzängste. Und suchen nach Erklärungen […]”.

Das Fazit, das die befragten Diskothekenbetreiber ziehen, ist angesichts der aus ihrer Sicht bedenklichen Entwicklungen eher negativ und sie sehen den Schwund der Diskotheken sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Die genannten Wandlungen in Freizeitverhalten und Selbstverständnis der jugendlichen Besucher sind sicher alle richtig und auch schon oft genannt worden. Allerdings ist es auch um so manche Disko nicht wirklich schade, und ein allzu starres oder schaumiges Konzept war auch in früheren und frühesten Jahren der Diskothekengeschichte schon nicht besonders überlebensfähig.

Wie die – heute ja oft Musikclubs genannten – Diskotheken überleben können, zeigt doch z.B. wieder das Hamburger Molotow ↑ in seinem aktuellen Programm: neben klassischen Disko-Abenden stehen viele Veranstaltungen mit einem Motto – an einem Abend hilft die “Depri-Disco” über den Liebeskummer vom vergangenen Wochenende hinweg, am nächsten Abend geht’s in den Soul & Funk Underground der 1960er Jahre, kurz darauf steigt der “Flower Power Space Rock” in den Himmel, und die bereits legendären Happenings wie der “Revolver Club” oder “Beauty & the Beats” bieten wie überhaupt alle Veranstaltungen Musik der hochwertigen Art in allen damaligen und heute denkbaren Schattierungen und Klängen …

Die Musik ist das Wichtigste: im Hintergrund läuft gerade mit Golden Earring eine Band, die einen perfekten Fahrstuhl in die Vergangenheit anbietet, aber leider auf den Revival-Partys nur selten gespielt wird. Ein paar Assoziationen gefällig? “She Flies On Strange Wings” und “Mad Love’s Comin'” sind tanzbare Ohrwurm-Rocker, während “Radar Love” (natürlich in der Langversion vom 1977er Live-Album) so mancher Besucherin und manchem Besucher auf der Tanzfläche das ultimative Rockerlebnis bescherte.

Wilfried

Schreibe einen Kommentar