Tiny Desk Concerts

Die Tiny Desk Concerts ↑ gibt es bereits seit 2008, doch erst jetzt scheint dem geneigten Musikfan wirklich klar zu werden, welch’ magische Musik-Preziosen da durch die Netzwelt geistern. Die Konzerte finden in den Räumen des amerikanischen National Public Radio (NPR) ↑ statt, der mit diesen Veranstaltungen vor allem jungen, unbekannten Bands und Künstlern eine Plattform bieten möchte. Ab und zu hereinschneiende Superstars wie Adele, Wilco, The Jayhawks, Chick Corea oder Graham Nash demonstrieren den Anspruch der Reihe, stehen jedoch nicht im Vordergrund.

Das Publikum besteht nicht aus “Fans”, sondern setzt sich zusammen aus den Mitarbeitern des Senders, die nach Lust und Laune mal vorbeischauen und sich überzeugen lassen wollen. Manche Band und mancher Künstler musste sich für diese Auftritte praktisch neu erfinden. Ob nun Superstar oder Newcomer, alle müssen sich dem “Drehbuch” der Konzerte beugen: “Gespielt wird im Eck vor Regalen mit sorgsam drapiertem Journalistenchaos aus Büchern, CDs, Vinyls, betreut von einem kleinen, in der Regel vierköpfigen Aufnahmeteam. Eine inszenierte Atmosphäre wie bei der Kaffeepause, als würden die Künstler zufällig bei der Probe belauscht – kein spürbares Extra-Licht, nur die allernötigste Verstärkung, damit die Balance der Klänge stimmt. Dafür guter Sound auf der Tonspur und Profis hinter der Kamera, die die Mini-Gigs festhalten: ‘Für die Musiker ist es eine echte Herausforderung, denn wir mikrofonieren die Stimmen nicht, es gibt auch kein Monitore. Sie müssen in den Raum singen, so wie es bei ihnen zu Hause sein könnte. Das sind viele nicht gewohnt'” (Spiegel Online – Intime Konzerte mit Popstars: Kommt Adele ins Büro und singt ↑).

In dem oben zitierten Spiegel-Online-Artikel wird der Hintergrund der Konzerte recht gut beschrieben. Zu einer wahren Entdeckung werden die Tiny Desk Concerts aber erst, wenn man ein wenig im Youtube-Kanal von NPR-Music ↑ stöbert. 404 Videos bzw. Konzerte sind dort aktuell zu finden, und die Zahl wird weiter wachsen. Authentischere, intimere Konzerte sind kaum vorstellbar und das Spektrum der dargebotenen Musik ist gigantisch. Anscheinend ist der Überdruss an der geglätteten und monophormen Musik unserer Zeit, wie sie aus den Charts und von allen Bildschirmen herüberschallt, mittlerweile doch recht groß und eine zunehmende Zahl an Menschen erfreut sich wieder an ein Instrument spielenden Musikerinnen und Musikern, die ungeschönt und eben live eine Musik präsentieren, die manchmal nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Die Konzerte sind in der Regel nicht sonderlich lang oder werden im Internet nur in Ausschnitten gezeigt. Die folgenden Beispiele sind eine (sehr) subjektive Auswahl und inspirieren hoffentlich die eine oder den anderen Hörer, nach “ihrer” Musik zu suchen und neue musikalische Welten zu erleben. Der Sound der Tiny Desk Concerts ist sehr klar, nuancenreich und präsent und sie dürfen daher gerne laut gehört werden … 🙂

Adia Victoria:

Ernest Ranglin:

Bombino:

Pixies:

Chick Corea & Gary Burton:

Wilfried


Vor und Zurück in der Serie‹ Live-Konzerte im Internet III Jam In The Van ›

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