Deutsche Underground-Perlen der 70er IX

Die LP “Hardrock in Concert” von den Chicken Bones dürften im Veröffentlichungsjahr 1976 in Deutschland nur die Wenigsten gehört, geschweige denn in den Händen gehalten haben. Die Band aus dem kleinen Städtchen Bönen im Kreis Unna am östlichen Rand des Ruhrgebietes ist damals in der Region durchaus bekannt, bringt es aber nur zu einer einzigen Veröffentlichung.

Die Platte – “Hardrock in Concert” – wird in den Blackfield-Studios in Bottrop-Kirchhellen innerhalb einer Woche aufgenommen und in einer Privatpressung von 300 Kopien unter die Leute gebracht. Irgendwann benennt man sich um, die Band heißt nun “Revenge” und nimmt ein paar weitere Titel auf, die aber erst 1997 als “Bonus Tracks” auf der CD-Version der Platte veröffentlicht werden.

Rainer Geuecke (Gitarre, Gesang), Hilmar Szameitat (Gitarre), Werner Hofmann (Bass) und Wolfgang Barak (Drums) trennen sich 1980, Hofmann und Szameitat machten zuerst mit “Van der Storm – ROCK & DREAM” weiter und später mit den “Heartbreakers”.

Das klingt alles ein wenig nach dem quasi üblichen Schicksal vieler deutscher Bands und Künstler in den 1970er Jahren, die nicht so recht ins Krautrock-Klischee passen wollten. Dennoch bezahlen Sammler heute für die erste Pressung von “Hardrock in Concert” um die 500 Euro, und das nicht nur, weil die Platte so selten, sondern auch, weil sie so gut ist. In den diversen, zuweilen obskuren Sammler-Channeln auf Youtube wird die Platte stets gelobt, und vertraut man auf den Wahrheitsgehalt der diesbezüglichen Kommentare, so ist der Begeisterungslevel beim erstmaligen oder beim Wiederhören stets hoch.

“Hardrock in Concert” ist ein gleich zweifach irreführender Titel. Die Musik basiert eher auf einem gitarrenbetonten Früh70er-ProgRock, dessen sensible Gitarrentöne oft an Wishbone Ash erinnern, ohne diese zu kopieren. Und um ein Live-Konzert handelt es sich bei diesen Aufnahmen auch nicht, sondern um – vergleichsweise rauh aufgenommene – Studio-Jams. Gesang ist nur auf wenigen Stücken zu hören, die meistens Songs sind (sich kompositorisch wunderbar entfaltende) Instrumentals.

Wer (positive) Überraschungen liebt und sucht, sollte zunächst einmal versuchen, die 2004 beim Label “Amber Soundroom” erschienene, 180 Gramm schwere Limited-Vinyl-Edition zu finden. Doch auch bereits auf der CD-Version von 1997 und den LP-Versionen von 1989 und natürlich 1976 ist der Sound erstaunlich gut, klar und kraftvoll.

Die beiden folgenden Youtube-Videos mit “Water” und “Factory Girl” sind Parade-Beispiele für eine äußerst talentierte Band und eine zu Unrecht vergessene Platte. Die anderen Songs auf der LP sind ähnlich gut – eine Platte mit absoluter Kaufempfehlung für die 70er-Abteilung im Plattenschrank.

Wilfried


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